
Geschichte der Schule (1)
Teil 1: Auszüge und Zeichnungen aus Aufzeichnungen von Lehrer Alois Kühtreiber
In dem ältesten uns erhaltenen Taufbuch von 1643 bis 1665 heißt es unterm 17. April 1647: "patronus Martinus Kaut, Schulmeister zu Neukürch." Am 14. September 1646 treffen wir seine Frau Maria Kaut als Patin. Es muss also, jedenfalls um 1647 ein Schulbetrieb in Neukirchen gewesen sein.
Im Jahre 1711 wurden die Kinder des Dorfes völlig zwanglos - einen Schulzwang gab es damals noch nicht - im sogenannten Zehenthaus oder Baderhaus unterrichtet. Es waren damals 12 Kinder um den Schulmeister versammelt.
Von 1800 besagen Aufschreibungen, dass die Schule im "Reiter-Haus" untergebracht war und von 13 Kindern besucht wurde.
1810 wurden die Kinder von einem Schulmeister im benachbarten "Kriegl-Haus" unterrichtet.
Erst 1829 wurde das jetzt noch stehende Schul- und Mesnerhaus gebaut und ein Lehrer angestellt. Als erster Lehrer wirkte Ignaz Maier, geboren am 6.4.1796 und gestorben als königlicher Lehrer in Neukirchen vorm Wald. Ignaz Maier war allein als Lehrer. Das Schulzimmer lag im Erdgeschoß.
Im Jahre 1855 lesen wir von einem "Hilfslehrertöchterlein" Fanny Maier. Möglicherweise war ein Verwandter zu der Zeit als Hilfslehrer angestellt, die Schule also zweiklassig geworden und ein zweites Schulzimmer im ersten Stock eingerichtet.
Das alte Schul- und Mesnerhaus, später Gemeindeverwaltung und Lehrerwohnhaus

Bis zum Jahre 1882 bestand die zweiklassige Schule für den ganzen Pfarrsprengel bis zur Ilz hinunter im alten Schul- und Mesnerhaus. Hier wohnte auch der Schullehrer und der Schulgehilfe oder Hilfslehrer.
Im Jahre 1874 wurde bei einer Schulvisitation das untere Schulzimmer, die "kleine Schule", zu klein befunden, da es mit 113 Kindern besetzt war.
Am 20. Januar 1875 entschließt sich die Schulsprengelverwaltung, das neue Schulhaus in den östlichen Teil des äußeren Schulgartens zu bauen.
1877 wurde der Vorschlag gemacht, den Schulsprengel zu teilen. Die Regierung berücksichtigte jedoch im Hinblick auf den Mangel an männlichen Lehrkräften den Antrag auf Bildung eines neuen Schulsprengels nicht.
Im Februar 1881 hatte Baumeister Stadler von Tittling ein Bauvorhaben ausgearbeitet, nach dem ein neues Lehrsaalgebäude in den inneren Schulgarten gebaut werden sollte mit Eingang gegen Süden zum Friedhof.
Dieser Plan wurde 1882 mit einem Kostenaufwand von 15.289 Mark durchgeführt.
Der Neubau wurde jedoch bald zu klein. Schon 1885 waren in dem einen Schulzimmer 128, in dem anderen 123 Kinder untergebracht.
1886 wurde das zweite Stockwerk der Schule ausgebaut.
Es bestanden nun 3 Lehrstellen: 1. Eine Volksschullehrerstelle, 2. eine Verweserstelle und 3. Eine Hilfslehrerstelle.
Erst 1905 wurde der Plan, auf das Lehrerwohnhaus einen zweiten Stock aufzubauen, verwirklicht. Es kam die erste definitive Lehrerin (Frl. Anna Berger) nach Neukirchen.
Die Zahl der Schulkinder wuchs nach dem 1. Weltkrieg wieder an, so dass sich 1926 der Gemeinderat entschloss, einen neuen Schulsprengel zu bilden und in Büchl eine Schule zu bauen.
Am 5. Dezember 1927 wurde dieselbe auch bereits eröffnet und mit 2 Lehrkräften besetzt.
In der Nachkriegszeit wurde die Schule in Büchl dreiklassig und es musste Wechselunterricht gehalten werden.
Die beiden Schulsprengel Neukirchen v.W. und Büchl

Zurück zur Schule Neukirchen. Durch den Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen 1945-46 stieg die Bevölkerungsziffer von 1500 auf 2200 und die Zahl der Schulpflichtigen für den Sprengel Neukirchen schnellte plötzlich auf über 300 hinauf.
(Ergänzung: Am 24.4.1945 wurde der Unterrichtsbetrieb eingestellt und die Unterrichtssäle mit Flüchtlingen belegt.) Nachdem seit dem Einmarsch amerikanischer Streitkräfte kein Unterricht mehr war, wurde zu Allerheiligen 1945 der Unterrichtsbetrieb mit den unteren 4 Schuljahren begonnen. Es konnten nur 2 Schulräume (2 Lehrkräfte) benutzt werden. Der Raum im Erdgeschoß war noch dicht mit Flüchtlingen belegt.
Links das ehemalige Lehrerwohnhaus, rechts die Schule 1945.


1946 wurde die Schule fünfklassig mit 5 Lehrkräften. Nur eine Klasse, die 5., hatte normalen Vollunterricht, die 1. bis 4. Klasse Wechselunterricht.
(Anmerkung: fünfklassig bedeutet nicht, dass es nur 5 Jahrgangangsstufen gab! Es war so, dass in einer Klasse bis zu 3 verschiedene Jahrgangsstufen (1 bis 8) unterrichtet wurden, wobei ein Jahrgang oft auch nach Buben und Mädchen getrennt war!)
(Ergänzung: Chronik 15.10.1958: Die Schuljugend durfte während der schlechten Jahreszeit den fertiggestellten und mit Turngeräten ausgestatteten Turnsaal im Jugendheim benützen.)
1959 wurde ein neuer Plan zum Ausbau der Schule erstellt, nachdem das Wiesengrundstück nördlich des Schulhauses und Gartens von Herrn Götz aus Neukirchen günstig zum Verkaufe stand. Der Kauf wurde abgeschlossen.
Im Herbst 1959 wurde die Baugrube ausgehoben, im Frühjahr 1960 der Bau begonnen und am 15. Juli das Richtfest gefeiert. Am 26. November 1960 war die feierliche Weihe des neuen Hauses.
Kirche mit Schulhaus im Jahre 1960.

Die Schule besitzt nun 6 Klassenzimmer, einen Gymnastikraum, einen Duschraum, der sehr gern benützt wird, eine modernst eingerichtete Schulküche mit Speiseraum, ein Lehrmittelzimmer und Konferenzraum, eine Kanzlei für den Schulleiter, ferner neuzeitliche Abortanlagen und Zentralheizung mit selbsttätiger Ölfeuerung. Alle Klassen haben Anschluss an die Wsserleitung und die 3 neuen einen angeschlossenen Ausweichraum für Gruppenunterricht. Die Schule hat auch einen ausreichenden Pause-, Spiel- und Turnplatz hinter dem früheren Schulgarten.
Mit diesen Worten enden die hier verkürzt wiedergegebenen Aufzeichnungen von Alois Kühtreiber.


Geschichte der Schule (2)
Teil 2: Weiterführung
09.09.1964: Neukirchen wird sechsklassig. Durch beträchtliche Schülerzugänge wurde die Errichtung einer sechsten Lehrerstelle notwendig (236 Schüler).
07.09.1965: Neukirchen wird siebenklassig. (252 Schüler)
07.09.1967: Neukirchen wird neunklassig (349 Schüler)
Im Zuge der Landschulreform wurde der Schulsprengel Büchl aufgelöst und in die Volksschule Neukirchen eingegliedert. Da der vorhandene Schulraum in Neukirchen aber nicht ausreichte, mussten zwei Klassen in Büchl beschult werden. Ein völlig neuer Schulhausbau wurde in Neukirchen geplant.
23.07.1969: Da die 8. Klasse erstmalig ein 9. Schuljahr besuchen musste, fand keine Abschlussfeier statt. Wegen der geringen Schülerzahl (22) und in Ermangelung eines Raumes wurde die 9. Klasse im neuen Schuljahr nach Tittling abgezogen.
01.08.1970: Schulreform: Die Volksschule heißt nun: "Grund- und Teilhauptschule Neukirchen vorm Wald".
07.09.1971: Wegen der geringen Schülerzahl (22) konnte keine 8. Klasse gebildet werden. Diese Schüler mussten die Schule in Tittling besuchen.
Im Schuljahr 1972/73 war Neukirchen wieder achtklassig (Jgst. 1-8).

24.01.1974: Die 5-Tage-Woche wurde eingeführt.
11.09.1975: Zwei erste Klassen konnten gebildet werden. Eine Klasse musste in das alte Lehrerwohnhaus ausgelagert werden.
21.11.1975: Der Bau einer Kleinturnhalle mit Außensportanlagen wurde genehmigt. Der Bau begann am 08.12.1975.
16.09.1976: Ende des Schulbetriebes in Büchl:

Während der großen Ferien siedelten die bisher nach Büchl ausgelagerten Klassen 4 und 5 nach Neukirchen über. Die neue Turnhalle und die beiden neuen Klasszimmer waren zu Schulbeginn so weit fertig, dass sie benützt werden konnten.
30.04.1977: Einweihung der Turnhalle samt Nebenräumen.


01.08. 1978: Die Schulleitung erhielt endlich eine Sekretärin.
03.12.1978: Durch Umbauarbeiten wurde in den Weihnachtsferien im Obergeschoß ein zusätzlicher Unterrichtsraum geschaffen

15.09.1981: Die Raumnot vergrößerte sich, 11 Klassen mussten untergebracht werden.
22.01.1981: Der Schulstreit begann: Die Regierung will die Klassen 7 und 8 nach Tittling bringen! Die Gemeinde wollte 7 und 8 behalten und die 9. Klasse zurück haben.
10.01.1984: Der Schulverbandsausschuss befasste sich mit dem Umbau und der Erweiterung der Schule. Geplant waren die Sanierung des Altbaus und die Errichtung eines kleinen Anbaus, wobei vor allem die fehlenden Funktionsräume geschaffen werden sollten.
02.07.1984: Der Altbau wurde bis auf Teile der Fassade fast gänzlich abgerissen.

Im November 1984 fand die Einweihung statt.
18.06.1987: Der neue Schulgarten mit Teich wurde eingeweiht.
29.01.1988: Das Schulamt kündigte die Verlagerung der Klassen 7 und 8 zum nächsten Schuljahresbeginn nach Tittling an. Ein Sturm der Entrüstung erhob sich.
Im Juni 1988 forderten Gemeinde und Schulverband die Beschulung der Pirkinger Schüler in Neukirchen, da Pirking seit 1979 diesem Schulsprengel angehört.
September 1988: Neukirchen hat nur mehr die Klassen 1 bis 6. Die Klassen 7 und 8 gehören nun wie schon vorher die 9. Klasse zur Volksschule Tittling.
8. Juli 2001: In der Nacht legte ein unbekannter Brandstifter Feuer im Schuppen neben der Schule. Die Flammen griffen auf das benachbarte Wohnhaus der Familie Kriegl und die Fassade der Schule über. Der Feuerwehr versuchte erfolgreich das Schulhaus zu retten.

September 2005: Neukirchen hat nur mehr die Klassen 1 bis 4. Jetzt gehören auch die Klassen 5 und 6 zur Volksschule Tittling. Die Regierung hat damit die Abschaffung der Teilhauptschulen in Niederbayern durchgesetzt.

Herbst 2005: Nach langen, zähen Verhandlungen gelang dem Bürgermeister der Ankauf einer an die Schule angrenzenden Teilfläche des Knott-Grundstücks. Zusammen mit der Fläche des Schulgartens soll dort eine Busbucht für die Schulbusse geschaffen werden. Bereits im Herbst 2005 beginnt der Bauhof mit der Anlegung an der Dettenbachstraße.
